BurnOut ist nicht gleich BurnOut

“Das was du hast ist kein BurnOut! BurnOut.Patienten geht es wirklich schlimm. Sei froh, dass du kein BurnOut hast.”

Diese und ähnliche Sprüche hörte ich jetzt ein Jahr lang – immer wieder, wenn ich es wagte, die Thematik an zu sprechen, dass ich mich müde und ausgebrannt fühle.

Und wieder wars meine Abhängigkeit von Anerkennung – also jetzt – rückblickend betrachtet – behaupte ich das einfach mal  – ich wiederspreche doch niemanden, der sich selbst als Spezialist für BurnOut bezeichnet – also nicht, wenn mir diese Person in irgend einer Form “nahe steht”.

Ok?

Der nächste Teufelskreis – kaum heraussen aus der letzten Ehe, begebe ich mich in die nächste Abhängigkeit – diesmal halt nicht in Form einer Partnerschaft – sondern in Form einer Freundschaft.

Nein – keine Schuldzuweisung – ich weiß, dass ich selbst schuld war und bin.

Es war eine weitere Lernerfahrung – und es passt voll ins Bild – aus der Distanz betrachtet – solange ich drinnen steckte wars mir nicht bewusst – jetzt, wo ich wieder einmal mit Schmerzen im Bett liege, nehme ich mir die Zeit, über das letzte Jahr zu reflektieren – und auch wieder das Thema BurnOut – so für mich selbst – an zu schauen.

Doch gehen wirs Schritt für Schritt durch

Ende 2007 ==> heftiges finanzielles Minus im selbständigen Bereich meines Ex – meine Aussage, “so gehts nicht weiter, bitte überleg dir etwas”.

Mitte 2008 ==> ich übernehme den Verlag meines damals noch Mannes, “zwinge” ihne dazu, sich arbeitslos zu melden, damit ich wenigstens nicht auch noch seine gewerbliche Sozialversicherung sponsern muss.

Herbst 2008 ==> Scheidung – ich übernehme Haus samt Kredit – und bekomme ihn aus der Ausfallhaftung raus – und gebe ihm alles Bargeld mit, was irgendwo noch vorhanden war.

Frühjahr 2009 ==> das Geld ist noch immer knapp – und wird immer knapper – ich leihe mir das erste Mal eine grössere Summe, um das tägliche Überleben zu sichern – mein Traummann, mit dem ich seit einem halben Jahr den roßteil meiner Zeit verbrachte, erklärt mir, dass er mich als göttliches Wesen schätzt, aber sicher nie was wie eine Beziehung mit mir eingehen wird.

Sommer 2009 ==> ich finde einen unselbständigen Job, bekomme von meinen Eltern genug Geld “geliehen”, um meine Schulden zurück zahlen zu können und dringend anstehende Arbeiten machen zu lassen.

Herbst 2009 ==> eine meiner Aussagen verärgert die Chefetage der Institution, in der ich arbeite – meine Führungskompetenz wird in Frage gestellt.

Winter 2009 ==> ich bekomme einen neuen Vorgesetzten und erfahre dadurch, dass ich endgültig als zukünftige Leitung “abgeschossen” bin.

Weihnachtgen 2009 ==> ich bin ausgebrannt, kann nicht mehr – kaum im Weihnachtsurlaub, “schmeisse ich die Nerven weg” und begebe mich in ärztliche Behandlung.

Anfang 2010 ==> ich reisse mich zusammen, weil s.o. “echten BurnOut.Patienten gehts weit dreckiger als mir” – und mache weiter.

Sommer 2010 ==> ich werde gekündigt, weil ich “die Zahlen nicht erreiche” – erfahre, dass ich durch meine Selbständigkeit keinen Anspruch auf Arbeitslosenentgelt habe und regle alles, um die Gewerbescheine zurück zu legen.

Herbst 2010 ==> ich realisiere, dass ich durch meine 14-jährige Selbständigkeit alle Ansprüche auf längere Arbeitslosigkeit verloren habe, d.h. ich bekomme nur die Mindestzeit von 20 Wochen (nicht, wie angenommen 1 Jahr, da ich über 50 bin) Arbeitslosenentgelt und muss am 23.12.2010 Notstand beantragen.

Winter 2010 ==> meine seit 2 Jahren “beste Freundin” kündigt mir die Freundschaft – formlos über eine private Nachricht in facebook – und steigt aus dem Verein aus, den ich für (m)eine eventuelle neue Selbständigkeit aufbauen wollte.

Weihnachten 2010 ==> ich liege mit schwerem Reflux darnieder – verschlafe Silvester – reagiere nur schwer auf Medikamente – winde mich auch heute noch immer manchmal unter den Schmerzen.

Nein – ich habe kein BurnOut – komme gar nicht mehr auf die Idee – zu oft hatte ich gehört “Sei froh, dass es dir so gut geht, echte BurnOut.Patienten geht es viel dreckiger”

Aber hallo – wie dreckig kann es mir noch gehen, damit ich endlich nach zu denken beginne?

Was muss noch alles passieren, dass ich jetzt endlich auf die Signale meines Körpers höre – meiner körpereigenen Intuition vertraue – und die Warnhinweise ernst nehme?

Ich mache schon das ganze Jahr – trotz der Schmerzen – weiter – bin nicht in Krankenstand – weil ich muss doch wenigstens die Dinge weiter machen, die ich immer schon gemacht habe. Ich muss doch weiterhin repräsentieren – gesehen werden – um mir was Neues auf zu bauen.

Ja – gehts noch?

Spinne ich jetzt eigentlich schon komplett?

Wann nehme ich mir das Recht, wirklich mal aus zu fallen und mirs einige Zeit erlauben, wirklich nichts zu tun?

Ohne mich dabei in Schmerzen zu winden?

Ja – ich lag von 31.12.2010 bis inkl. 4.1.2011 darnieder – unfähig, etwas zu essen – unfähig, irgendwas zu tun. Ich hab die Zeit nicht genutzt, drüber nach zu denken, was mir dieser Zustand sagen möchte. Ich habs erst letzte Nacht getan – endlich wieder überlegt – was stößt mir so sauer auf, dass es schon erhebliche Schmerzen verursacht?

Voila – hiermit hab ichs mir mal wieder von der Seele geschrieben – jetzt mach ich mir 2 Toastbrotscheiben mit nem Hauch von Butter und nem Hauch von Marmelade – dazu Kamillen/Fenchel.Tee – und schaue, was der Rest des Tages noch so bringt – vor allem in Hinblick auf Erkenntnisse zur Thematik des BurnOuts – oder auch sonstiger weiterer Thematiken ;-)

4 Kommentare

  1. Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung!

  2. Du Arme. Sicher werden Dir viele Menschen Mut zusprechen und ihr Mitgefühl äußern. Leider fällt mir auch nur ein dummer Spruch ein, z.B. dieser: Gesundheit kauft man nicht im Handel, sie liegt im Lebenswandel.

    Insofern musst du vielleicht doch einiges ändern.

    • Hi Emma,

      sorry, wenn ich den Eindruck erweckt habe, dass es mir um Mitleid und “Mut zusprechen” geht – es geht miir eigentlich nur darum, dass ich mirs einfach zugestehe, ausgebrannt zu sein.

      Wenn ich von dem ausgehe – dann ist das ein Faktum – damit komm ich klar – ich brauch nicht weiter suchen, was der Grund für meine Müdigkeit ist – es ist, was es ist – Ende – aus.

      Und jetzt geh ich Zünder suchen ;-)
      Liebe Grüße
      ChrisTina


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